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TEMPERANCE
MEGA
Standlautsprecher Mega
Die unvergleichliche Superlativ-Box!
 
Mega unvergleichliche "Superlativ-Box"

Testbericht
HIFI VISION

Von Michael Jansen

Bei Harald Hecken ist was im Busch. Man munkelte gar, der eigenwillige Lautsprecher-Aktivist aus dem Siegerland habe sich den Jüngern von Manger angeschlossen. Demzufolge schwor Hecken konventionellen Mitteltönern ab und setzt Mangers revolutionären Breitband-Biegewellen-Wandler ein. Der verspricht nach mangerscher Mundart erstmalig "richtiges" Musikhören. Der Weg dorthin war anstrengend und lang. Annähernd zwei Jahrzehnte Entwicklungszeit gingen ins Land, ehe die Patentschmiede ein serienreifes Produkt ablieferte.

Das beinhaltet nicht nur unzählige Patente, sondern kann auch für sich in Anspruch nehmen, nahezu fehlerfrei Rechtecke zu übertragen. Auf den ersten Blick hat das zwar sehr wenig mit Musik zu tun. Doch erfordert die Reproduktion eines Rechtecksignals, das alle Frequenzen in sich vereint, einen Schallwandler, der alle Frequenzen zeitgleich abstrahlt. Insbesondere Mehr-Wege-Boxen schneiden in diesem Punkt unbefriedigend ab. Denn ihre zahlreichen, unterschiedlich aufgebauten Chassis so zu bändigen, daß sie ohne Zeitversatz arbeiten, verlangt Entwicklern einiges ab. Außerdem sind klassische Mehrwegler mit Ein- und Ausschwingproblemen behaftet, die von der Frequenzweiche berühren. Am Ende ist das gemessene Signal alles andere als rechteckig.

Der Stern am Treiber- Himmel kommt von der Chassis-Schmiede Manger und soll, ab zirka 250 Hertz aufwärts im Einsatz, für zackige Musikübertragung gerade richtig sein.

Die Grundidee des Mangerschen Konzepts war die breitbandige Übertragung der Musik über eine kohärente Schallquelle. Die lange Entwicklungszeit diente einzig und allein dem erkannten Ziel, die im Musiksignal gegebene Zeitordnung ebenso zeitrichtig wieder abzustrahlen. Dazu verwendet Manger eine weiche Flachmembran, die durch eine etwa 7,5 Zentimeter durchmessende Spule angetrieben, genauer: in Biegeschwingung versetzt wird. Die Schallerzeugung erfolgt also aus einem akustischen Zentrum heraus. Das heißt, daß mit tiefer werdenden Frequenzen immer größere Flächenanteile radial in Wellenbewegung gebracht werden. Der Rand der Membran ist durch einen Aufsatz bedämpft, der nur einen sternförmigen Ausschnitt freiläßt. Mit "kontrollierten Partialschwingungen" könnte man das Prinzip auch umschreiben.

Gleich drei dieser ausgefeilten Wandler schlagen im Herzen einer Mega. Dabei dient nur der Front-Treiber als wirklicher Breitbänder, bedient also das Frequenzspektrum zwischen 250 und 20000 Hertz. Die beiden seitlich angeordneten Manger-Wandler fungieren dagegen als "Schallwandsimulatoren". Sie arbeiten nur bis zirka drei Kilohertz und sollen die Schallwand virtuell vergrößern, indem sie den Druckabfall des vorderen Systems durch seitliche Unterstützung hinauszögern. Im Baßbereich muß bekannterweise eine Menge Luft verschoben werden, damit Musik überhaupt hör - und spürbar wird. Dazu vertraut Hecken auf vier konventionelle 30 Zentimeter messende Baßtreiber, ausgerüstet mit extrem steifen Membranen aus dem Insektenpanzer-Rohstoff Chitin, Die kümmern sich um den Bereich zwischen 20 und zirka 250 Hertz und müssen besonders hohen Anforderungen des Entwicklers genügen. Die Membran sollte in "kleinen" Gehäusen dem hohen Druck standhalten können, der bei extremen Amplituden auf sie wirkt und sie damit verformen könnte.

Der hier betriebene Aufwand wird deutlich, wenn man sich den Preis eines einzelnen Baßtreibers oder eines Manger-Schallwandlers einmal vor Augen hält: Jeweils 1000 Deutsche Mark gehen dafür über den Ladentisch - der Preis für ein Pärchen Mittelklasse-Boxen. Aber hier geht es ja auch nicht um "ordinäre" Lautsprecher. Selbst der oft benutzte Titel Referenz schien dem Siegener zu abgegriffen - "Mega" paßte Hecken da schon besser ins Konzept.

"Oh! Mega!" urteilt der Technik-Freak schon angesichts der aktiven Innereien der an Marter-Pfähle erinnernden Monstren. 1800 Watt stehen den Treibern einer Box zur Verfügung - also Power bis zum Abwinken. Dabei sorgt ein 2000-Watt-Transformator in Verbindung mit Sieb-Elkos von 200 000 Mikrofarad Kapazität für stabile Spannungsverhältnisse.

Mit Spannung wurden auch die Meßergebnisse erwartet. Man fragte sich, was wohl die Biegewellen der Membran des etwas anderen Wandlungsprinzips mit der Luft anstellen würden. Was am Mikrofon ankam, war, gemessen an konventionellen Systemen, sehr überzeugend. Frequenzen oberhalb von zwei Kilohertz, deren Wellenlängen sozusagen noch auf die Manger-Membran passen, wurden beinahe exakt gleich laut wiedergegeben. Darunter gab es aufgrund veränderter Strahlungswiderstände und Beugungseffekte einen leicht welligen Verlauf, mit dem gleichzeitig erhöhte Verzerrungen einhergingen. Erwartungsgemäß tief stieg die Mega in den Baßkeller. Auch die unterste mögliche Meßfrequenz von 20 Hertz gaben die vier 30er Baßschüsseln ohne große Anstrengung mit angemessenem Pegel von sich.

Der Weg der über vier Zentner schweren Mega-Säulen vom Meßlabor in das HIFI VISION-Hör-Domizil geriet zwar nicht steinig, dafür aber strapaziös. Vier Mann mußten Hand anlegen, um die monströsen Ungetüme in Abhörposition zu wuchten. Burmesters 808 Mk III, eine der Vorverstärker-Referenzen, wurde den Aktiven vorgesetzt. Naims Referenz-CD-Spieler lieferte scheibenweise die Musik. Die ersten Takte des Verkabelungs-Checks lockten schon Neugierige an. Der Hörraum füllte sich zunehmend. So wurde die Hörsitzung zu einem Redaktionstreff. Die Mega mit ihren Mangern faszinierte nicht nur die Zuhörer in der ersten Reihe. Auch die Hinterbänkler kamen auf ihre Kosten und murmelten fortwährend Kommentare vor sich hin. Deshalb mußte der "Geräuschspannungsabstand" des Hörraums kurzerhand per Lautstärkeknopf erhöht werden. Und siehe da: Das Publikum hatte nie das Gefühl, die Mega stoße an ihre Phon-Grenzen. Gerade im Baßbereich, der bei extremen Pegeln üblicherweise aufweicht, demonstrierte die Siegener Box unbeugsame Härte. Auffällig war zudem ihre Fähigkeit, Solisten und Instrumenten Körper zu verleihen und diese präzise zu umreißen. Feine Nebengeräusche wie etwa das Papierrascheln beim Umblättern der Noten vermittelte die Mega mit einer selten gehörten Natürlichkeit. Unzählige Aufnahmen vieler Musikrichtungen wurden aufgelegt, doch der Hör-Hunger der Anwesenden konnte einfach nicht gestillt werden. HiFi muß einfach Spaß machen - diesen Nerv traf die newtronics ganz und gar.

Ein Zwei-Kilowatt-Tranformator (siehe oben) liefert in Verbindung mit einer ganzen Batterie von Sieb-Elkos stabile Spannungsverhältnisse.
...auch wenn die drei Endstufen ihre Leistung von jeweils 600 Watt voll ausfahren.

Die Box bleibt allerdings solchen Zeitgenossen vorbehalten, die schon den guten Stern in der Garage, eine Villa im besten Wohnviertel der Stadt und noch einige Hunderttausend an Barem im Tresor haben. Die sechsmonatige Lieferzeit sowie die paar überschüssigen Märker nutzt man am besten, um eine optimal, nämlich kühl und dunkel gelagerte Flasche "Cuvée Dom Perignon" zur feierlichen Einweihung aufzutreiben. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Auch die Redaktion feierte ihre Mega-Stars, wenn auch auf eigenwillige Weise und ohne edlen Champagner. Eigenwillig, weil Heckens Geschütze erstens eine Preisklasse repräsentieren, die sich in kein formelhaft erfaßbares Verhältnis zum Gegenwert pressen läßt, und zweitens eine den Rahmen üblicher Hörerfahrung sprengende Performance, die sich jeder Einstufung widersetzt. Ohne Champagner, weil das einhellige Urteil über die Aktiv-Riesen mit ihren unerschöpflichen Kraftreserven deckungsgleich mit einem Werbespruch aus der deutschen Schaumwein - Branche ausfiel:

Manchmal muß es eben Mumm sein!


Liefertermin auf Anfrage bei Herrn Hecken: info@newtronics.de

Als Übersicht haben wir Ihnen hier eine Tabelle bereitgestellt, die die Leistungsdaten und Preise unserer Produkte veranschaulicht.

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